Wir können nicht immer gut drauf sein

Leiden vermeiden - aber Schmerz ist ein guter Lehrer


Eine Leserin des Blogs schrieb mich an:

 

„…was mir in deinen Texten zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass trotz einer guten Brille, Werten und Zielen, es auch immer Mal richtig schei… im Leben Laufen kann. Rückschläge, auf die man keinen Einfluss hat…Schmerzen/Niederlagen erlebt und dann auch mal eine Zeit aushalten muss…Schmerz als normaler Teil des Lebens!“

 

Da hat sie leider recht…



Manchmal können wir noch so positiv denken und fallen trotzdem aufs Maul.

Wir wollen nicht Schmerzen vermeiden, sondern Leiden. Ein riesen Unterschied.

 

Ein weiser Mensch sagte einmal: „Schmerz ist ein guter Lehrer – und sollte am Anfang jeder Entwicklung stehen und nicht am Ende.“ Seitdem achte ich darauf, dass die Kids beim Karate-Training auch Schmerzen erfahren. Dosiert - und nicht um zu leiden, sondern um zu wachsen.

 

Bei jedem Training – ich meine nicht Sport – bei jedem Trainings-Reiz verlassen wir bewusst unsere Komfort-Zone und es wird unangenehm. Ein hartes Training ist sogar schmerzvoll. Wir setzen den Reiz, um stärker, besser, gesünder und fitter zu werden.

Warum gehen top Athleten wie Usain Bolt oder „Die Mannschaft“ ins Eisbad? Weil es Spaß macht? Ne, weil es gut für das Immunsystem und für die Resilienz ist. Wir investieren und setzen einen Schmerzreiz, damit unsere zukünftige Version gewinnt.

 

Aber ich schweife ab. Das meinte die Leserin mit Schmerzen nicht. Per Mertesacker ging freiwillig und bewusst in die Eistonne. Ich glaube, die Leserin sprach eher von Schmerzen, die irgendwann eintreten – ob wir wollen oder nicht. Als Teil eines normalen Lebens.

 

Manchmal machen wir alles richtig und fallen trotzdem hin. David Deida: „Das Leben ist entweder ein Test, oder ein Fest!“

 

Das Leben (oder Gott, das Schicksal…) testet uns. Am liebsten wäre es uns, das Leben wäre immer nur ein Fest – aber so läuft das sicher nicht.

 

Was könnten kluge Strategien sein, um mit den Niederlagen umzugehen? Mit den Rückschlägen, die noch kommen werden?

 

1. Vorbereitung und Training

2. Einstellung

3. Kluge Fragen

4. Akzeptanz

 

Vorbereitung und Training: Wenn wir uns bewusst Reize setzen, werden wir mit plötzlichen Schmerzen besser umgehen können. Ein Hochleistungs-Sportler, der Verletzungen und hartes Training gewohnt ist, kommt besser mit einem Unfall zurecht, als ein normaler Mensch. Wir können uns körperlich, aber auch mental vorbereiten. Wir können Muskeln aufbauen – mentale Muskeln, denn irgendwann fallen wir eh hin.

 

Einstellung: Wir haben ja schon so einiges über Nelson Mandela und Viktor Frankl geschrieben. Wir können jeden Schicksalsschlag so oder so deuten.

 

Kluge Fragen: Wenn wir Schmerzen erleiden oder hingefallen sind…oder einfach mal zwei Wochen in ein dunkles Loch fallen und keine Ahnung haben, wie wir da reingerutscht sind - dann können wir uns gescheite oder weniger gescheite Fragen stellen. Nicht hilfreich: „Warum passiert mir das gerade jetzt? Warum immer ich? Hasst Gott mich?“

 

Klügere Fragen: „Wie komme ich da raus? Wie kann ich die Situation nutzen? Was kann ich verändern/verbessern? Was lerne ich daraus?“

 

Akzeptanz: Manchmal sind Dinge einfach so wie sie sind. Wenn jemand einen geliebten Menschen verloren hat, dann wird dieser Mensch eine gewisse Phase trauern. Das ist einfach so. Unterdrücken wir hier unsere Trauer, zahlen wir später einen Preis – in Form von Krankheiten. Positives Denken ist hier eher hinderlich.

 

Es muss gar nicht so extrem sein: Was ich nicht verändern kann, sollte ich besser akzeptieren.

 

Wenn wir immer geradezu uns zwingen alles positiv zu interpretieren, kann das sogar Stress machen. Es gibt Dinge, die sind einfach negativ und die dürfen wir auch als solche sehen.

 

Hö? Wieso schreibe ich seit Monaten in fast allen Blogs dieselbe Message? „Auf die Einstellung kommt es an, setze die richtige Brille auf...!“

 

Ich glaube, dass Gehirn eines modernen Menschen ist darauf geeicht, sich eher auf das Negative zu konzentrieren. Vielleicht ist das evolutionär bedingt:

 

Wer konnte seine Gene weiterbringen?

Die, die besonders viel Angst hatten und noch härter gearbeitet haben, um den Winter zu überstehen? Vielleicht, die, die nicht sofort jede Beere irgendwelcher Sträucher gegessen haben? Die eher vorsichtig bei fremden Spinnen waren? Die Gehirne haben überlebt, die eher auf das Negative geschaut haben. Aber wir leben nicht mehr in der Steinzeit.

 

Ich versuche es mit einem Zahlenbeispiel: Sagen wir 50% der Dinge im Leben sind eher negativ und 50% eher toll (wir hätten auch andere Zahlen nehmen können, gerade nicht wichtig).

 

Der moderne Mitteleuropäer wird mit seinem Gehirn zu 90% eher das Negative wahrnehmen ( auch diese Zahl ist willkürlich gewählt). Sein Fokus liegt auf der Interpretation des Negativen. In seiner Welt gibt es also völlig übertrieben viel Negatives. „Oh, mein Gott, der zweite Fernseher in der Küche ist nicht mehr ganz in Ordnung – mein Tag ist gelaufen!!!“

 

Wie kommen wir daraus? Indem wir unsere Gehirne umprogrammieren und uns eher auf das Positive konzentrieren – dann landen wir mit viel Elan vielleicht bei den „realistischen“ 50%. Wir sollten nur dabei aufpassen, dass wir nicht alles positiv sehen - sehen müssen: Das wäre eher Verblendung und hat auf Dauer genauso viele Nachteile wie eine pessimistische Ansicht.



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