Was wir vom Klicker-Training lernen können

Kennst Du das Klicker-Training? Beim Hundetraining genutzt und vom Delphin-Training inspiriert


Der Klicker ist ein einfacher Knallfrosch und soll nur ein Geräusch machen. Beim Delphin-Training nutzt man eine Pfeife.

 

Hier geht es um ein akustisches Signal, welches zuest positiv besetzt wird: Der Delphin bekommt zunächst Fische in dem Moment, wenn die Pfeife ertönt. Der Hund bekommt genau dann ein Leckerchen, wenn der Knallfrosch klickt. So wissen die Tiere: „Der Laut bedeutet etwas Tolles.“ Genauer: So werden die Gehirne der Tiere auf Freude programmiert, sobald der Laut ertönt.



Außerdem wird der Klicker schnell zu einem Spiel für den Trainee - so heißt der, der trainiert wird. Der Hund macht etwas richtig, und der Trainer klickt. So versteht er, welches Verhalten gewünscht ist. Wer mit dem Klicker arbeitet, hat unglaubliche Trainings-Erfolge: Die Hunde bzw. die Tiere lernen viel schneller als mit herkömmlichen Trainingsmethoden. Außerdem scheint es den Tieren Spaß zu machen. Man konnte so Hunden beibringen, einen Cheeseburger im Hundemaul zu tragen und einem anderen Hund zu übergeben - ohne diesen zu kosten. Nur mit dem Klicker - ohne Anwendung von Strafen.

 

Es gibt sogar Hunde, die Klicker einsammeln; nach dem Motto: Davon können wir nicht genug haben!

 

Das Klicker-Training funktioniert so effektiv, weil wir die Bestärkung optimal einsetzen bzw. timen können. Frauchen klickt, sobald der Hund das tote Eichhörnchen liegen lässt und weiter die Frisbee sucht. Das Verhalten des Hundes wird sofort bestätigt. Der Hund freut sich ein wenig und wird beim nächsten Mal mit einer noch höheren Wahrscheinlichkeit den Kadaver links liegen lassen. Er findet die Frisbee – klick. Er rennt zu Frauchen zurück – klick. Er gibt die Frisbee in die Hand von Frauchen – klick. Noch einmal: Das Timing ist entscheidend!

 

Frauchen bzw. Herrchen hätte auch jedes Mal „Fein!“ sagen können. Auch mit sprachlichem Lob haben wir sehr großen Erfolg. Der Klicker ist kürzer, klarer, durchdringender und im Gegensatz zu einem gesprochenen Wort immer gleich. Daher ist das akustische Signal noch ein Tick effektiver als die Bestärkung mittels der Sprache.

 

Sobald das Verhalten zur Gewohnheit geworden ist, braucht man den Klicker nicht mehr einzusetzen (und nutzt ihn nur noch für neue Übungen).

Inzwischen gibt es Mütter und Väter, die den Klicker bei der Kindererziehung nutzen. Sogar bei der Ausbildung von Piloten wird das Prinzip erfolgreich genutzt (Siehe das Buch von Karen Pryor, Positiv bestärken, Seite, S. 198).

 

Sehr wahrscheinlich wirst Du nicht mit einem Knallfrosch in den Supermarkt gehen, um Dein eigenes Verhalten zu bestätigen. Darum geht es auch nicht - es geht jetzt um das Verständnis. Wenn ein Knacken eines blöden Knallfrosches das Gehirn von Hunden, Pferden und sogar Kindern so effektiv trainieren kann, dann scheint das Timing für die Bestärkung wichtiger zu sein, als die Belohnung. Rein rational betrachtet hat der Trainee doch nichts von einem Klick-Geräusch. Die Attraktivität bzw. das Maß der Belohnung kann also nicht entscheidend sein, wenn wir ein neues Verhalten lernen möchten.

 

Wenn Du Dir ein neues Verhalten angewöhnen willst, achte dabei auf den richtigen Moment. Auf den Moment, den Du positiv bestärken willst. So kannst Du schneller neue, kluge Gewohnheiten annehmen.

 

Fassen wir einmal die Reihe "Timing" zusammen:

Wir wollen gar nicht, dass unser Tier (unser Elefant) in uns immer entscheidet. Wir dürfen unserem Unterbewusstsein keine Wahl lassen, wenn es um negative Angewohnheiten geht. Genauso wie wir es nicht möchten, dass unser Hund in kritischen Situationen entscheiden soll, ob er das Kaninchen jagt oder nicht.

 

In den Blogs über Willenskraft und das Unterbewusstsein stellten wir fest:

In einem müden oder genervten Zustand, wird sich unser Drang nach schnellem Essen, Alkohol, Betäubung, Spielsucht o.a. durchsetzen. Früher oder später erschlafft unser Entscheidungs-Muskel. Setzen wir auf die schiere Willenskraft, verlieren wir auf lange Sicht dieses Spiel. Wir können aber gewinnen, wenn wir unser potentielles Laster mit einer klugen Gewohnheit austauschen.

 

Um ein neues Verhalten effektiv zu erlernen, kommt es auf das Timing an. Die positive Bestärkung sollte so zeitnah wie möglich erfolgen. Wir loben uns selber, wenn uns nichts Besseres als Bestärkung einfällt. Der konsequente Umgang mit einer attraktiven Bestärkung zum richtigen Zeitpunkt hilft uns nicht nur Kinder oder Haustiere zu erziehen. Diese Strategie ist die effektivste und nachhaltigste, wenn wir Kontrolle über unsere Gelüste, Angewohnheiten und vor allem – ja, über unser Leben bekommen wollen.




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Die Reihe Timing begann mit folgendem Artikel:


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Die nächst Blog-Reihe handelt von der Meditation:


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Kommentare: 2
  • #1

    Achim (Dienstag, 21 Februar 2017 10:52)

    Ich fand es interessant, wie sehr ich beim Lesen auf einen inneren Widerstand gestoßen bin. Ich glaube einfach, dass es negativ belegt ist, sich selbst zu konstituieren. Dabei gibt es dazu vermutlich gar keinen Grund. Ist einfach ein Glaubenssatz. Ich würde es wohl trotzdem eher mit einem haptischen Anker versuchen, bevor ich zum "Klicker" greife. Glaube damit würde ich mich wohler fühlen.

  • #2

    Heiko (Dienstag, 21 Februar 2017 14:49)

    Hey Achim, danke für Deine Gedanken! Ich glaube, ich verstehe, was Du meinst!

    Klicker: Ja, den können wir nicht für uns nutzen. Bei Kindern und Hunden klappt das super, aber nicht bei uns. Aber wir können uns selber "auf die Schulter klopfen" - uns selber loben. Das klappt prima!

    Anker: Das ist auch eine tolle Idee! Ein Bekannter nutzt dafür extra schwere Münzen, die dann von der einen in die andere Tasche wandern.

    LG
    Heiko