Vollkommenheit sucks! - 1. Teil

Warum Perfektion eine miese Glücks-Strategie ist


Hohe Ansprüche vs. Vollkommenheit

Oft verwechseln wir hohe Ansprüche mit dem Wunsch perfekt zu sein. Viele Menschen erwarten von sich in einem bestimmten Bereich Perfektion.

 

Zum Beispiel:

  • eine perfekte Fitness,
  • einen perfekten Körper oder
  • einen unfehlbaren Charakter

Um besser visualisieren zu können, betrachten wir folgende Graphik:


Mehr als 100% geht nicht. Die X-Achse in unserer Graphik ist die Zeit, die vergeht. Die schwarze Linie stellt den bestmöglich erreichbaren Wert da. Dann bist Du perfekt, z.B. in einer Fähigkeit wie Spanisch sprechen, Tennis spielen oder Mitarbeiter führen.

 

Ein Perfektionist wünscht sich, in einer oder gar in mehreren Ausprägungen bzw. Fähigkeiten die 100% zu erreichen. Werden diese erreicht, sollen sie ständig erhalten bleiben.

 

Was wäre, wenn Du den Wunsch hättest, in einem bestimmten Bereich perfekt zu sein? Sagen wir, Du liegst zur Zeit bei …60%. Dann sähe das ungefähr so aus:


Dein Ziel: Erreiche die 100% so schnell wie es geht. Hast Du Dein Ziel erreicht, willst du die 100% halten.

 

Wahrscheinlich hättest Du folgende Glaubenssätze:

  • „Ich bin glücklich, wenn ich perfekt bin.“
  • "Wenn ich die 100% hier erreicht habe, dann bin ich genug.“

Kennst Du das? Die Gesellschaft ist voller Leute, die fast stolz verkünden, dass Sie erst zufrieden sind, wenn sie keine Fehler machen oder vollkommen sind. „Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden!“

 

Die Sache hat leider gleich mehrere gewaltige Haken:

  1. Das Ziel ist nicht erreichbar.
  2. Falls es doch erreichbar sein sollte, kannst Du es kaum und nur mit extremen Aufwand halten.
  3. Falls Du doch wider der „Realität“ perfekt werden solltest: Du wirst damit nicht so glücklich sein, wie du erwartest hattest.

Zu Eins: Wie viele Menschen kennst Du, die in auch nur einem Bereich perfekt sind?

 

Wer bestimmt überhaupt, wann Du vollkommen bist? Es ist einfach äußerst unwahrscheinlich, in einem einzigen Bereich die 100% wirklich zu erreichen. Die „wahren“ Perfektionisten streben jedoch danach, gleich in mehreren Bereichen vollkommen zu werden:

 

„Ich bin glücklich, wenn ich eine perfekte Ernährung, eine perfekte Fitness, eine perfekte Mutter, eine perfekte…habe.“

 

Diese Aufgabe ist nicht erfüllbar. Die Folge: Frust und Enttäuschung. Außerdem riskieren wir mit dieser Einstellung, gleich sofort aufzugeben. Es gibt viele Perfektionisten, die erst gar nicht anfangen.

 

„Wenn ich was mache, dann aber richtig!“

Mit dieser Einstellung punktet früher oder später der innere Schweinehund.

 

Hohes Risiko, geringe Erfolgs-Wahrscheinlichkeit, sicherer Frust…Klingt nicht gerade nach einer guten Strategie, wenn du auf Dauer glücklich, gesund und erfolgreich leben möchtest.


Zu Zwei: Sagen wir mal, es gäbe eine Ausnahme: Einen Bereich, indem Du wirklich perfekt sein könntest. Dann wäre es sehr schwer, perfekt zu bleiben. Vor allem, wenn es sich um körperliche Fähigkeiten oder vergängliche Werte wie Schönheit handelt.

 

Das Alter spielt nicht mit. Auf kurz oder lang wirst du an Kraft, Koordination oder Schönheit verlieren. Und das weiß Dein Unterbewusstsein auch. Jeder Fähigkeitsverlust oder auch nur die Angst davor, würde Deine Lebensqualität verschlechtern.

 

Zu Drei: Okay, werden wir noch „unrealistischer“. Was wäre, Du willst nur in einem Bereich perfekt werden und dann vollkommen bleiben. Gehen wir kurz davon aus, Du würdest das wirklich schaffen.

 

Na und? Was wäre Dein Nutzen? Perfektion ist langweilig! Da passiert ja nichts mehr. Das Ziel wäre erreicht, und dann?

 

Du müsstest aber weiter hart arbeiten, um dieses unglaublich hohe Niveau zu halten. Permanente hohe Anstrengung ohne Weiterentwicklung. Das macht einfach keinen Spaß!

 

Und abgesehen davon wärst Du allein. Scheinbar vollkommene Menschen werden vielleicht bewundert, aber fühlen sich einsam an der Spitze. Das langersehnte Glücksgefühl wäre nicht von Dauer.

 

Es gibt eine bessere Strategie. Morgen geht es weiter...


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